Keine verbreitete Sturmlage im Fokus: So wird aus Druckunterschieden überhaupt ein Sturm
Am Sonntag, 13. September 2026, steht in der Schweiz keine verbreitete Sturmlage im Vordergrund. Der Wind bleibt vielerorts unspektakulär. Genau deshalb lohnt sich heute der Blick auf die Grundlagen: Ein Sturm entsteht nicht einfach, weil «schlechtes Wetter» kommt, sondern weil mehrere physikalische Prozesse zusammenwirken.
Am Anfang steht ein Druckunterschied
Wind entsteht, wenn Luftdruckunterschiede ausgeglichen werden. Vereinfacht gesagt wird Luft durch die sogenannte Druckgradientkraft von einem Gebiet höheren Luftdrucks in Richtung tieferen Luftdrucks beschleunigt. Je grösser der Druckunterschied auf kurzer Distanz, desto stärker kann diese Beschleunigung ausfallen.
Auf Wetterkarten erkennt man das an eng beieinanderliegenden Isobaren. Sie zeigen einen starken horizontalen Druckgradienten. Die Luft strömt dabei nicht geradlinig zum Tiefdruckzentrum: Erdrotation, Reibung und Gelände verändern Richtung und Geschwindigkeit.
Warum manche Tiefs zu Sturmtiefs werden
Bei grossräumigen Winter- und Herbststürmen spielt die Entwicklung eines kräftigen Tiefdruckgebiets die Hauptrolle. Über dem Nordatlantik treffen häufig Luftmassen mit grossen Temperaturunterschieden aufeinander. Entlang dieser baroklinen Zonen kann sich ein Tief verstärken.
Besonders wichtig ist die Strömung in grosser Höhe. Ein kräftiger Jetstream kann die Entwicklung eines Bodentiefs unterstützen, wenn die Höhenströmung so angeordnet ist, dass in höheren Luftschichten Luftmasse abtransportiert wird. Dann kann der Luftdruck am Boden weiter fallen. Das Tief vertieft sich, die Isobaren rücken zusammen und der Wind nimmt zu.
Fronten organisieren den Wetterwechsel
Warm- und Kaltfronten markieren Bereiche mit unterschiedlichen Luftmassen. Rund um ein kräftiges Tief sind sie häufig mit Niederschlag und markanten Windänderungen verbunden. Besonders hinter einer Kaltfront kann kalte Luft in der Höhe die Atmosphäre stärker durchmischen.
Dadurch wird Wind aus höheren Luftschichten leichter bis zum Boden transportiert. So entstehen Böen, die deutlich stärker sein können als der gemittelte Wind. Auf Hügeln, Pässen und Gipfeln fällt dieser Effekt oft noch markanter aus.
Gewittersturm funktioniert anders
Stürmische Böen können auch ohne grossräumiges Sturmtief entstehen. In einem Gewitter steigt warme, feuchte Luft kräftig auf. Gleichzeitig sinkt durch Niederschlag abgekühlte Luft in einem Abwindbereich nach unten. Trifft dieser Abwind auf den Boden, breitet er sich seitlich aus.
Diese Böenfront kann sehr plötzlich starke bis stürmische Windstösse bringen. Bei besonders kräftigen Abwinden spricht man von Downbursts. Solche Gewitterböen sind räumlich viel kleiner als ein klassischer Wintersturm, können lokal aber sehr heftig sein.
Die Alpen können Wind zusätzlich verstärken
In der Schweiz spielt die Topografie eine aussergewöhnlich grosse Rolle. Täler können Luftströmungen kanalisieren, Pässe wirken wie Engstellen und an Bergkämmen kann der Wind deutlich stärker sein als im Flachland. Beim Föhn kommt zusätzlich ein ausgeprägter Druckunterschied über den Alpen hinzu. Dadurch können in typischen Föhntälern sehr starke Böen auftreten, obwohl weiter entfernt deutlich weniger Wind herrscht.
Wann wird aus starkem Wind eine Warnlage?
Ob eine offizielle Warnung ausgegeben wird, hängt nicht nur davon ab, ob es «windig» wird. Entscheidend sind erwartete Böenspitzen, betroffene Höhenlagen und Regionen, Dauer sowie die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses. MeteoSchweiz unterscheidet entsprechend verschiedene Gefahrenstufen.
Für heute lautet die Einordnung jedoch klar: Eine verbreitete Sturmlage ist nicht das bestimmende Thema. Der Sonntag eignet sich deshalb besser zum Verstehen der Mechanismen als zum Dramatisieren einer Gefahr, die aktuell nicht vorhanden ist.