Lothar, Vivian, Burglind: Die heftigsten Stürme der Schweiz der letzten 50 Jahre
Lothar, Vivian und Burglind ragen in der Schweizer Sturmgeschichte der vergangenen 50 Jahre heraus. Die drei Winterstürme brachten extreme Windspitzen, massive Waldschäden und grosse Beeinträchtigungen. Regional gab es zudem aussergewöhnliche Föhnstürme und weitere schwere Winterstürme.
Stürme lassen sich nicht allein anhand der höchsten gemessenen Böe vergleichen. Entscheidend ist auch, wie gross das betroffene Gebiet war, wie lange der Sturm dauerte und welche Schäden entstanden. MeteoSchweiz nennt Lothar, Vivian und Burglind ausdrücklich als die schwersten Stürme der jüngeren Schweizer Geschichte.
Vivian 1990: 269 km/h am Grossen St. Bernhard
Am 27. Februar 1990 traf Orkan Vivian die Schweiz mit aussergewöhnlicher Wucht. Auf dem Grossen St. Bernhard wurde eine Windspitze von 269 km/h registriert – damals die höchste im Schweizer Messnetz erfasste Böe. Besonders schwer betroffen waren Teile der Alpen und Voralpen.
Die Folgen für den Wald waren enorm. Nach Angaben der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL verursachte Vivian rund 5,1 Millionen Kubikmeter Sturmholz. Besonders in höheren Schutzwäldern blieben grossflächige Windwurfflächen zurück.
Lothar 1999: der verheerendste Waldsturm
Am 26. Dezember 1999 folgte mit Lothar das Ereignis, das in der Schweiz bis heute als Referenz für einen extremen Wintersturm gilt. Vor allem das Mittelland, der Jura und die Voralpen wurden innerhalb kurzer Zeit von orkanartigen Böen getroffen.
Die WSL dokumentiert für Lothar mehr als 12,7 Millionen Kubikmeter geworfenes Holz – fast das Dreifache einer damaligen jährlichen Holznutzung. Während des Sturms und bei späteren Aufräumarbeiten im Wald kamen insgesamt 29 Menschen ums Leben. Bei den Waldschäden übertraf Lothar Vivian deutlich.
Burglind 2018: stärkster Wintersturm seit Lothar
Am 3. Januar 2018 zog Burglind, international auch Eleanor genannt, über die Schweiz. MeteoSchweiz stuft ihn als stärksten Schweizer Wintersturm seit Lothar ein. Im Mittelland wurden verbreitet Böen zwischen 90 und 130 km/h gemessen, in Berglagen 140 bis 170 km/h und an besonders exponierten Standorten bis rund 200 km/h.
Burglind war zwar in den meisten Regionen schwächer als Lothar und Vivian, verursachte aber dennoch erhebliche Schäden. Rund 1,3 Millionen Kubikmeter Holz wurden geworfen. Die damaligen Infrastrukturschäden wurden auf ungefähr 165 Millionen Franken geschätzt.
Sabine 2020: kräftig, aber klar unter Lothar
Der Wintersturm Sabine vom 10. Februar 2020 brachte im Mittelland verbreitet Windspitzen von 90 bis 120 km/h. Auf den Jurahöhen erreichten die Böen 140 bis 160 km/h, auf Gipfeln 160 bis 200 km/h. MeteoSchweiz hält fest, dass Sabine deutlich schwächer war als Lothar und auch unter Burglind blieb.
Föhnstürme: regional ebenfalls extrem
Neben den grossen Weststürmen gab es in den vergangenen Jahrzehnten regional aussergewöhnliche Föhnlagen. In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 2013 wurden am Gütsch oberhalb Andermatt 208 km/h gemessen. Noch höhere Werte gab es dort 1983 mit 226 km/h und 1994 mit 219 km/h. Solche Föhnstürme treffen jedoch meist ein deutlich kleineres Gebiet als Lothar oder Vivian.
Was macht einen Sturm historisch?
Die höchste Einzelböe ist nur ein Teil der Geschichte. Lothar wurde vor allem wegen seiner grossen räumlichen Ausdehnung, seiner enormen Waldschäden und der hohen Zahl betroffener Menschen zum Jahrhundertsturm. Vivian war in Teilen der Alpen ähnlich extrem und hält mit 269 km/h einen herausragenden Messwert. Burglind wiederum zeigt, dass auch moderne Warnsysteme extreme Winterstürme nicht verhindern können, ihre Auswirkungen aber früher einschätzbar machen.
Einordnung: Betrachtet wird der Zeitraum 1976 bis 2026. Die Ereignisse werden nicht als mathematisch exakte Rangliste dargestellt, sondern nach Windstärke, räumlicher Wirkung und dokumentierten Schäden eingeordnet.